Wirken die Tabletten oder das Wissen?

Zuerst hatte ich gar keine Überschrift, es gab nichts bestimmtes, worüber ich schreiben wollte. Also fing ich mit dem ersten Gedanken an und fand so doch noch ein Thema:
 Mir geht schon wieder die halbe Nacht so vieles an Gedanken durch den Kopf - es dauert schon Stunden an, sie zu sortieren und ich denke jetzt ist es mir endlich gelungen.

Gestern noch dachte ich die Tabletten wirken so langsam, die Schwestern und die Therapeutin der Tagesklinik sprechen immer davon (wegen der Fortschritte die ich mache), doch heute bin ich davon nicht mehr überzeugt. Ich denke eher das was wirkt sind die Einsicht krank zu sein und Hilfe zu brauchen und das Wissen über meine Erkrankung.
Die Symptome haben sich eigentlich (noch) gar nicht verändert, aber mein Umgang mit ihnen. Ich schaffe es jetzt manchmal mich von gewissen Symptomen abzugrenzen, sie zu ignorieren oder auch sie einfach nebenher laufen zu lassen und zu wissen, dass es nicht real ist... das habe ich noch vor einigen Wochen nie geschafft. Dieser Fortschritt liegt jedoch einzig an meinem Wissen, dass es Krankheitssymptome sind. Das ist schwierig zu erklären, ich müsste mehr auf die Symptome eingehen und ich denke das möchte ich gerade nicht --- oder --- hm, viellleicht versuche ich es mal.

Ich fange mal woanders an.
Bei meiner Diagnosestellung wurde ich u.a. gefragt, ob ich Dinge/Stimmen/Geräusche höre, die nicht da sind und ich habe lachend gentwortet "natürlich nicht" denn das was ich höre, das höre ich weil es da ist logisch, nicht wahr. Über visuelle Halluzinationen hatte ich genauso gedacht und geantwortet "Was ich sehe ist da, sonst würde ich es ja wohl nicht sehen - nee, Halluzinationen habe ich nicht!" Ich fragte mich ernsthaft wie man erkennen kann, ob man Hallus *g* hat - was man sieht und hört hält man doch für real.
Beides gab es aber schon eine sehr lange Zeit - nur wurde es als solches nicht erkannt bzw nicht angenommen. Am Beispiel mit auditiven Halluzinationen (ich höre etwas was nicht da ist) sieht es so aus:
Zum Einen war allen bekannt, dass ich "die Flöhe husten" höre, weil ich so gute Ohren habe und mein Mann hat eine Hörschädigung, was dieser Erklärung noch mehr zugute kam. Es war üblich und "normal" dass ich Dinge höre, die den anderen verborgen bleiben.
Zum Anderen habe ich (wenn ich merkte das "etwas nicht stimmt" so lange nach einer Erklärung gesucht, bis eine passte. Hörte ich z.B. jmd sprechen und die Radios waren alle aus und ich alleine, dann fand ich die Erklärung dafür manchmal erst eine halbe Stunde später - da standen Nachbarn auf der Strasse und unterhielten sich oder es gingen Spaziergänger lachend vorbei. Sehr wahrscheinlich standen und gingen sie nicht seit einer halben Stunde dort entlang, aber ich sagte mir nur "Aha,das hab ich gehört; alles klar!" Jetzt im Nachhinein betrachtet gab es viele Erklärungen, die wirklich an den Haaren herbeigezogen waren - aber damit konnte ich besser leben/umgehen, als mit dem Geanken daran, dass ich "total spinne", "bekloppt"/verrückt werde...

Inzwischen habe ich mich viel informiert, habe aufklärende Gespräche hinter mich gebracht und musste erkennen (wo es mir oft deutlich vor Augen geführt worden ist) dass ich eine schizophrene Psychose habe. Jetzt akzeptiere ich es einfach, wenn ich etwas höre was nicht "rein passt" ins umliegende Geschehen. Aber das sind nicht die Tabletten, sondern das ist mein Wissen, ich suche nur anfangs nach der Ursache und dann sag ich sie mir (wenn ich nichts finde): Das ist "nur" die Krankheit!

23.2.13 07:24

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